150 Jahre Hirschpark: Die Platzhirsche von Rapperswil

Fotos: Carina Scheuringer

Rapperswil | Sie gehören zu Rapperswil wie die Rosen! 1871 wurden die ersten Hirsche auf dem Lindenhügel einquartiert. Zum 150-jährigen Jubiläum feiert die Stadt ihre Hirsche und erinnert sich dabei an die eigene Gründungssage.

Den Hirschpark kennt in der Rosenstadt jedes Kind. Meine erste Begegnung war jedoch zufällig. Eines sonnigen Morgens war ich besonders früh in Rapperswil. Um mir die Zeit zu vertreiben, spazierte ich von der Uferpromenade zuerst zum Rosengarten und dann den südlichen Schlosshügel empor, auf dem einst die ersten Häuser der historischen Stadt zu stehen kamen. Oben, ganz am Ende unter den Linden, entdeckte ich ein besonderes Fleckchen, wo man auf der einen Seite auf den glitzernden See und auf der anderen auf das prachtvolle Schloss hinüberblickt. Dort wurde ein Bänkchen zu meinem Lieblingsplatz. Hier sitze ich seither immer gerne unter den Bäumen und sehe den Hirschen und ihrem Menschenvater zu, wenn sie durch die 55 Are grosse Anlage streifen.

Schon ein gutes Jahrzehnt betreut Theo Böhler zusammen mit Peter Steimer den an das Schloss angrenzenden Hirschpark. Mit seinem Hirschmobil fährt der 75-Jährige jeweils morgens gegen 7 Uhr auf den markanten Nagelfluhfelsen, schultert liebevoll gesammeltes Futter und schleicht über die Wiese zum Unterstand. Je nach Jahreszeit verteilt er Heu sowie trockenes, hartes Brot, Kastanien oder Kartoffeln. Danach kontrolliert er das Gehege, schneidet Äste zurück, entfernt Unkraut und den für die Hirschfamilie gefährlichen Abfall, der immer wieder achtlos weggeworfen und vom Wind in die Tieranlage getragen wird. Mit gespitzten Ohren und aufmerksamen Blick beobachtet die 13-köpfige Damhirschfamilie aktuell ein Damhirschstier, sieben Damhirschkühe, 1 Schmaltier und vier Jungtiere den Wildtierpfleger auf Schritt und Tritt aus sicherer Distanz. Der Respektabstand ist dem Parkwart wichtig «Hirsche sind Wildtiere und sollen dies auch bleiben», beschwichtigt er. Entsprechend untersagt ist das Füttern durch Besucher und es kann mitunter etwas Geduld gefragt sein, bis die grazilen Tiere über das weitläufige Gelände bis zum Zaun kommen, um zu sehen, wer heute zu Besuch ist. 

Seitdem ich dieses Fleckchen in Rapperswil kenne, haben es andere schwer. Doch warum es im Schlosspark überhaupt Hirsche gibt, erfahre ich heute anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Hirschparks zum ersten Mal. Die schöne Geschichte basiert auf der Sage der Stadtgründung. Demnach war Rudolf, ein Graf aus dem schattigen Altendorf, eines Tages mit seiner holden Gattin Mechthild am Seeufer auf der Jagd. Seine Hunde spürten eine Hirschkuh auf, die sie bis zu einer Höhle am Sonnenfelsen, dem heutigen Schlosshügel, verfolgten. Dort verbargen sich auch zwei Kälbchen. Die Gräfin erbarmte sich der Tiere und überredete ihren Gatten, diese zu verschonen. Bei einer späteren Rast tauchte die Hirschkuh wieder auf und legte aus Dankbarkeit ihren Kopf in Mechthilds Schoss. Der Graf sah dies als einen Wink des Himmels und errichtete auf dem Hügel eine Burg und darunter eine Stadt. Heute darf somit in Rapperswil ein Hirschpark natürlich nicht fehlen!

Praktisches

Rapperswil Zürichsee Tourismus Visitor Center

Fischmarktplatz 1

8640 Rapperswil

+41 (0)55 225 77 00

rapperswil-zuerichsee.ch


Der Hirschpark befindet sich direkt neben dem Schloss und ist kostenlos 24 Stunden/Tag zugänglich.


FEIERN SIE MIT!

Die Jubiläumsfahnen sind gehisst; eine neue Broschüre verrät Spannendes zum Hirschpark. Zusätzlich wurde speziell fürs Jubiläum von der Bäckerei Räber ein feines Honigguetzli kreiert. Der Erlös der «Hirschknusperli» kommt den Hirschen zugute. Das Gebäck ist ab sofort im Visitor Center und in der Bäckerei erhältlich. Ausserdem findet zum Jubiläum ein Malwettbewerb statt. Das Wimmelsuchbild zum Ausmalen ist im Visitor Center oder online zu finden.